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2.14_wertschaetzung

2.14 Wertschätzung

Wichtigste Punkte

Unter Wertschätzung versteht man die Fähigkeit, die wesentlichen Eigenschaften anderer Menschen zu erkennen und ihren Standpunkt zu verstehen. Sie umfasst gleichfalls die Fähigkeit, mit ihnen zu kommunizieren und ihren Ansichten, Werturteilen und ethischen Werten Verständnis entgegenzubringen
Zur Konfliktbehandlung ist zunächst die Konfliktart zu klären. Konfliktarten können z.B. sein: Zielkonflikt, rollenkonflikt, Wahrnehmungskonflikt
Zur Behandlung von Konflikten in projekten bieten sich Konfliktlösungsmodelle an wie z.B. die Phasen der Konflikteskalation nach Glasl, die Konfliktstile nah Thomas/Killmann, oder die Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg

Begrifflichkeit/Taxonomie

Sie sollten folgende Begriffe für dieses Thema benutzen und erklären können:

Deskriptive Ethik

Gesinnungsethik

Folgeethik

Normative Ethik

Moral

Verantwortungsethik

Wertschätzung

Wertschätzung: Arten

Wertschätzung kann in verschiedenen Arten erfolgen:

Wertschätzung von Personen

Ist die Fähigkeit, Aussagen, Meinungen, Werte und Leistungen, aber Gefühle von denen für das Projekt relevanten Personen zu respektieren, sich dafür zu interessieren und sie verstehen zu wollen.

Wertschätzung von sozialen Systemen

Ist die Fähigkeit, Werte, Interessen und Ansichten von sozialen Systemen, d.h. von mit Projekten vernetzten Anspruchsgruppen, erkunden und verstehen zu wollen, um damit konstruktiv und zielführend umzugehen.

Wertschätzung von Bestehendem

Ist die Fähigkeit, mit zu verändernden Dingen, Systemen und Strukturen respektvoll und achtsam umzugehen.

Wertschätzung von Projekten und Projektmanagement

Ist die Fähigkeit, Projekte als Ressourcen des Lernens und für die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens zu erkennen.

Wertschätzung: Teamführung

In Projekten wird die Inhaltliche Arbeit in Teamarbeit erstellt. Vor allem in komplexen vernetzten Projekten ist es nicht ausreichend wenn Individuen, die sich nicht miteinander abstimmen, an Einzelaufgaben arbeiten. Das Projektteam muss daher durch den Projektleiter gut organisiert und geführt werden. Es hat sich herausgestellt, dass hierzu gerade eine wertschätzende Führung dienlich ist. Eine wertschätzende Teamarbeit erkennt man auch daran, dass jedes Mitglied sich nicht nur für die Erfüllung der eigenen Aufgabe verantwortlich fühlt, sondern gleichermaßen für das Teamergebnis als Ganzes. Von da her sind die einzelnen Teammitglieder in der Lage, sich von eigenen Beiträgen zu lösen und auf den Ergebnissen anderer weiter aufzubauen.

Wichtige Begriffe

Kontext

Zeitlich

Projektmanagement-Phasen

  • Initialisierungsphase: Formelle Gründung
  • Definitionsphase: Ziele, Organisation
  • Planungsphase: Umfeld/Stakeholder, Phasenplanung, PSP, Ablauf u. Termine, Ressourcen/Kosten, Risiken
  • Steuerung: Controlling, Änderung
  • Abschlussphase: Auflösung

Inhaltlich

  • Das Thema hat inhaltlich zu folgenden Themen Beziehungen (Nummern geben die Kompetenzelemente der IPMA an):
PM-technische Methodische Kompetenzen
1.01 Projektmanagementerfolg1.02 Interessierte Parteien1.03 Projektanforderungen und Projektziele1.04 Risiken und Chancen
1.05 Qualität1.06 Projektorganisation1.07 Teamarbeit1.08 Problemlösung
1.09 Projektstrukturen1.10 Leistungsumfang und Lieferobjekte1.11 Projektphasen, Ablauf und Termine1.12 Ressourcen
1.13 Kosten und Finanzmittel1.14 Beschaffung und Verträge1.15 Änderungen1.16 Überwachung, Steuerung, Berichtswesen
1.17 Information und Dokumentation1.18 Kommunikation1.19 Projektstart1.20 Projektabschluss
PM-Verhaltens Kompetenzen
2.01 Führung2.02 Engagement und Motivation2.03 Selbststeuerung2.04 Durchsetzungsvermögen
2.05 Entspannung und Stressbewältigung2.06 Offenheit2.07 Kreativität2.08 Ergebnisorientierung
2.09 Effizienz2.10 Beratung2.11 Verhandlungen2.12 Konflikte und Krisen
2.13 Verlässlichkeit2.14 Wertschätzung2.15 Ethik
PM-Kontext Kompetenzen
3.01 Projektorientierung3.02 Programmorientierung3.03 Portfolioorientierung3.04 Einführung von Projekt-, Programm- und Portfoliomanagement
3.05 Stammorganisation3.06 Geschäft3.07 Systeme, Produkte und Technologie3.08 Personalmanagement
3.09 Gesundheit, Arbeits-, Betriebs- und Umweltschutz3.10 Finanzierung3.11 Rechtliche Aspekte

Konflikte sind sowohl Risiko 1) als auch Chance für ein Projekt.

Konfliktarten

WAS: In der Literatur sind keine allgemeingültigen Definitionen des Konfliktbegriffes zu finden. In der Psychologie werden Konflikte als „Gegensätzlichkeit oder Unvereinbaarkeit zweier oder mehrerer Elemente“ definiert. Hervorgerufen werden sie meist durch „unterschiedliche Verhaltensweisen und Handlungen“. Konflikte sind in der Projektarbeit allgegenwärtig und gehören zum Tagesgeschäft eines Projektleiters. Konflikte sind sowohl Risiko als auch Chance in einem Projekt. Werden Konflikte bewusst verarbeitet, ergeben sich au sihnen Erfahrungen und Potentiale für die weitere Arbeit.

WARUM: Konflikte sind nicht per se negativ Störunen der Zusammenarbeit, Stress und Unzufriedenheit, Vergeudung von Zeit und Ressourcen. Konflikte erfüllen eine wesentliche Funktion in der Zusammenarbeit der Menschen. Teams werden durch ihre Fähigkeit mit Konflikten umzugehen erst so richtig erfolgreich. Positive Funktionen von Konflikten:

  • Freisetzung von Energie
  • Erhöhung der Kreativität
  • Rollenklärung im Team
  • Schaffung einer persönlichen Arbeitsatmosphäre
  • Erhöhung der Innovationsbereitschaft
  • Lösung festgefahrener Strukturen

In Projekten treten verschiedene Konflikte auf. Oft anzutreffen sind folgende Konfliktarten:[1]

  Ziel- und Richtungskonflikte: 
     „Möglichst schnell und günstig fertig werden“ vs. „alle Testfälle durchführen“
  Wahrnehmungs- und Beurteilungskonflikte: 
     „Das Projekt ist in Time, in Budget“ vs. „Viele Änderungen durch den Auftraggeber“
  Rollen- und Erwartungskonflikte
     „Die Mitarbeiter sollen selbständig arbeiten“ vs. „Ich erwarte klare Anweisungen, was ich tun soll“
  Besitz- und Verteilungskonflikte
     „Ich brauche das Testlabor für die kommende Woche exklusiv“ vs. „wir auch“
  Veränderungs- und Sicherheitskonflikte
     „Heute soll ich Fachkonzepte erstellen, morgen testen – was denn nun?“
  Beziehungs- und Statuskonflikte
     „Keiner sagt mir etwas!“, „Ich bin hier der Projektleiter!

Konfliktlösung

Vorgehen:

1. Konfliktart feststellen

2. Konfliktbewältigungsstrategiene

2.1 Konfliktstile nah Thomas/Killmann
Entscheidung: Orientierung an Bedürfnisse Anderer versus eigene Bedürfnisse

2.2 Modelle der Konfliktlösung nach Glasl

9 Eskalationsstufen nach Glasl
Ebene Eskalationsstufen Konfliktbehandlung
1. Ebene
win/win
1. Verhärtung Konfliktgespräch, Moderation
2. Debatte, Polemik
3. Taten statt Worte
2. Ebene
win-loose
4. Image/Koalition Mediation, Schiedsgericht, Gericht
5. Gesichtsverlust
6. Drohstrategien
3. Ebene
loose/loose
7. Begrenzte VernichtungsschlägeGericht, Machteingriff
8. Zersplitterung
9. Gemeinsam in den Abgrund

2.3 Kooperative Konfliktlösung

Betriebliche Konfliktlösung durch Moderation vgl. Bitzer/Liebsch/Behnert

PhaseBeschreibung
Phase 1: EinstiegSchaffung eines sicheren Rahmens (Verfahren klären, Vertraulichkeit, Rollen, Spielregeln, Abfragen von Erwartungen
Phase 2: Ist-AnalyseStandpunkte der parteien ermitteln. Ziel ist eine transparente Darstellung des Sachverhaltes, Problems, Konfliktpotentials zu erhalten
- Zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses soll jede Partei den Standpunkt der anderern Seite erfahren: Was benötigt die andere Seite? Wie könnte eine Annäherung aussehen?
Phase 3: Lösungsansatz Erarbeiten von Lösungsmöglichkeiten, bspw. in Kleingruppen. Die Ergebnisse werden im Plenum diskutiert und ein Lösungsweg festgelegt und schriftlich fixier
Phase 4: ErfolgssicherungUmsetzen und Kontrolle der Wirksamkeit der Lösung

2.4 Gewaltfreie Kommunikation

vgl. Rosenberg, Marshall, Gewaltfreie Kommunikation

StufeBeschreibung
1. BeobachtungWelche Situation liegt vor - ohne Bewertun durch uns: Mitarbeiter kommt oft zu spät zum Meeting
2. GefühleAussprechen war WIR fühlen - sind wir irritiert, ängstlich, froh: „Paul, es ärgert mich, wenn Du zu spät…kommst.“
3. BedürfnisseFormulieren, welche Bedürfnisse hinter den Gefühlen stehen: „Paul, es ärgert mich, wenn…., weil ich dann das Gesagte noch einmal wiederholen muss.“
4. BittenEine Bitte zur Verhaltensanpassung formulieren: „Ich möchte, dass du pünktlich bist.“

3. Beispiel für Konfliktlösungsprozess im Projekt

StufeErgebnis
1. Konflikt im Projektteam erkanntKonfliktart
2. Konfliktpartner identifiziert ⇒ WER
3. Konflikt thematisieren Sachverhalt ⇒ WAS
4. Konflikt analysieren ⇒ WIESO/WARUM
5. Konflikt einordnen ⇒ Beziehungsebene/Sachebene
6. Lösungsvarianten sammeln, auswählen, umsetzen

Literatur

  • Autor: Titel. Verlag, Ort Jahr, ISBN.
  • Autor: Titel. Verlag, Ort Jahr, ISBN, S. X–Y.

Siehe auch


Weitere Informationen

2.14 Wertschätzung Values appreciation

Unter Wertschätzung versteht man die Fähigkeit, die wesentlichen Eigenschaften anderer Menschen zu erkennen und ihren Standpunkt zu verstehen. Sie umfasst gleichfalls die Fähigkeit, mit ihnen zu kommunizieren und ihren Ansichten, Werturteilen und ethischen Werten Verständnis entgegenzubringen. Zentrale Grundlage der Wertschätzung ist gegenseitiger Respekt.

Ein Projektmanager wird über sein eigenes Wertesystem verfügen und diese Werte im Umgang mit den Mitgliedern des Projektteams und den betroffenen Interessierten Parteien zum Ausdruck bringen. Er wird auch für die Werte anderer Personen in seiner Umgebung empfänglich sein und sie dazu ermutigen, diesen Werten im Umgang mit ihm Ausdruck zu verleihen. Das Verständnis persönlicher und gesellschaftlicher Werte sowie jener der Organisation ist erforderlich, um das Einverständnis zu einem Projektplan zu erhalten. Ein Projektmanager, der in der Lage ist, verschiedene Werte und Wertunterschiede der am Projekt beteiligten Personen zu verstehen, wird ein Projekt wesentlich wirksamer organisieren und durchführen können, als jemand, der diese Fähigkeit nicht besitzt.

Mögliche Prozessschritte:

1. Sicherstellen, dass die eigenen Werte, sofern sie mit dem Projekt in Zusammenhang stehen, von allen betroffenen Interessierten Parteien gut verstanden werden.

2. Berücksichtigung der Werte, Ansichten, ethischen Grundsätze und Interessen verschiedener Parteien, die auf politischem und gesellschaftlichem Gebiet innerhalb der Organisation oder auch außerhalb einflussreich sind.

3. Rücksichtnahme auf vorherrschende (z. B. von politischen Meinungen, Lobbys, betroffenen Interessierten Parteien usw. beeinflusste) Werte der Gesellschaft, sofern sie Auswirkungen auf das Projekt haben können.

4. Die Werte der Menschen, mit denen man kommuniziert und zusammenarbeitet, in die Debatte mit einbringen.

5. Verständnis aufbringen und ggf. eine alternative Sichtweise annehmen.

6. Andere Meinungen respektieren und schätzen.

7. Schnell auf sich ändernde Situationen reagieren und angemessene Einschätzungen zu ihren Auswirkungen im Hinblick auf eine Änderung des Projektkontexts abgeben.

8. Anwendung des Gelernten auf zukünftige Projekte oder Projektphasen.

Angesprochene Themenfelder: Sorge um Auswirkungen auf andere Beziehungen zwischen Stammorganisation und Projektteam Kontaktpflege Persönliche Interessen und Zielsetzungen Persönliches Auftreten Politische Sensibilität Lobbys Soziale Sensibilität Übernahme von Verantwortung für die eigenen Handlungen

NCB 3 März 2013 Seite 130 von 202

Schlüsselkompetenzen auf Levelebene: A Hat Wertschätzung mit den Programm- und Projektmanagern im Kontext des Projekts und der Stammorganisation wirksam bewiesen und gemanagt. Der Kandidat hat (Teil-) Programmmanager bzw. Projektmanager bei der Entwicklung von Wertschätzung angeleitet. Der Kandidat war außerdem an der Einführung von Wertschätzung in Projekten oder Programmen beteiligt. B Hat Wertschätzung in komplexen Projekten und im Projektkontext wirksam bewiesen und gemanagt. Der Kandidat hat (Teil-) Projektmanager bei der Entwicklung von Wertschätzung angeleitet. C Hat Wertschätzung in Projekten mit begrenzter Komplexität wirksam bewiesen. D Verfügt über das erforderliche Wissen in Bezug auf Wertschätzung. Hauptbeziehungen zu: 4.1.2. Interessierte Parteien, 4.1.3. Projektanforderungen und Projektziele, 4.1.5. Qualität, 4.1.6. Projektorganisation, 4.1.7. Teamarbeit, 4.1.8. Problemlösung, 4.1.12. Ressourcen, 4.1.13. Kosten und Finanzmittel, 4.1.15. Änderungen, 4.1.16. Controlling, 4.1.20. Projektabschluss, 4.2.2. Engagement und Motivation, 4.2.4. Durchsetzungsvermögen, 4.2.5. Entspannung und Stressbewältigung, 4.2.6. Offenheit, 4.2.10. Beratung, 4.2.10. Verhandlungen, 4.2.12. Konflikte und Krisen, 4.2.13. Verlässlichkeit, 4.3.2. Programmorientierung, 4.3.3. Portfolioorientierung, 4.3.4. PPP-Einführung, 4.3.8. Personalmanagement NCB 3 März 2013 Seite 131 von 202 Verhaltensmuster:

4.2.14. WERTSCHÄTZUNG

Angemessene Verhaltensweisen Verbesserungsbedürftige Verhaltensweisen
Nimmt die Werte, Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse anderer ernst, ohne die Konzentration auf die Leistungsbeschreibung des Projekts aus den Augen zu verlieren Ist unempfänglich gegenüber den Werten, Gefühlen, Wünschen und Bedürfnissen anderer Personen; ignoriert ihre Beiträge
Lässt seinen Untergebenen einen ausreichenden Handlungsspielraum, sodass sie die Arbeit auf ihre Art und Weise erledigen können Schränkt die Handlungsfreiheit seiner Untergebenen durch Zwang und Kontrolle ein
Beteiligt die Mitglieder des Projektteams und die betroffenen Interessierten Parteien an Entscheidungsfindungen oder hat andernfalls gute Gründe dafür, die Entscheidung ohne ihre Beteiligung zu treffen Fällt Entscheidungen allein und teilt sie den Teammitgliedern oder den beteiligten Parteien nicht mit
Geht mit gutem Beispiel voran und wird als Führungspersönlichkeit anerkannt Sein Verhalten wird von anderen nicht als ernsthaft und angemessen angesehen
Schafft einen angemessenen Ausgleich zwischen eigenen Interessen und denen der anderen Handelt aus eigenem Interesse und vernachlässigt die Interessen anderer völlig
Gibt direktes Feedback Gibt den Teammitgliedern kein Feedback
Erzeugt Enthusiasmus Kritisiert, ist unfähig andere zu motivieren
Steht in regelmäßigem Kontakt zu den beteiligten Parteien Meidet den Kontakt zu den beteiligten Parteien
Schafft Vertrauen Wirkt misstrauisch Wird vom gesamten Team und den anderen Interessierten Parteien akzeptiert Nimmt eine Außenseiterrolle ein

NCB 3 März 2013 Seite 132 von 202


Einzelnachweise

1) Wer sagt das?
2.14_wertschaetzung.txt · Zuletzt geändert: 2016/03/02 19:43 von 87.159.30.14